Mein Australien Relativitätstheorie
Mein Australien - Teil 8 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dan Hummel   
Samstag, den 01. Mai 2010 um 16:13 Uhr

"Relativitätstheorie" oder: "Satre war gewiss nie in Australien"

Verzeiht meine kryptischen Nachrichten der letzten Wochen und Monate. Mehr Kryptik!
Ich hatte meine letzte Mail an Euch mit 'Situated - but not settled' ueberschrieben. Voruebergehend eine feste Adresse. Habe ich mich niedergelassen?
Relativ gesehen, ja. Bzw. nein. Wenn man auf Reisen ist, sind 4 Monate eine lange Zeit. Ansonsten auch.

Eine Stadt wie Ayr... die beste Beschreibung ist folgende:

DA MOECHT' ICH NICHT TOT UEBER'M ZAUN HAENGEN!!!

Warum also bin ich hier?

In Ayr gibt es Fliegengitter und Arbeit, viel Arbeit, und um diese Jahreszeit ganz besonders viel Arbeit. Zumindest fuer Menschen mit einer Arbeitserlaubnis. Und es gibt Razzien um Schwarzarbeitern auf die Spur zu kommen, besonders um diese Jahreszeit. Eine Arbeiterlaubnis habe ich nicht... Also jobsuchend.

Selbst nach Wochen im Osten nichts Neues, aber viele Menschen. Mehr Menschen, mehr Regeln. Mehr Regeln, mehr Angst. Die durchschnittliche Stammesgroesse der indigenen Einwohner in Australien lag bei 50 bis maximal 100 Personen. Eine gute Wahl. Less people, less problems.

Doch alles ist relativ, und die individuelle Haltung dem Leben gegenueber bestimmt die Qualitaet der Erfahrung. Und ich erfahre ein weiteres Mal den tropischen Winter.

Die Baeume und Straeucher fangen an zu bluehen, und das Zuckerrohr wird geerntet. (Und bevor irgend jemand auf die Idee kommen koennte zu fragen, was hier ausser Zuckerrohr noch angebaut wird... Zuckerrohr, Zuckerrohr und zur Abwechslung ein bisschen Zuckerrohr. Kein Wunder, dass es hier so unglaublich viele fette Menschen gibt!)

Doch zurueck zum Winter. Ja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und bereits in meinem zweiten tropischen Winter habe ich mich akklimatisiert. Und ich finde 15 Grad Celsius in der Nacht.... kuehl, um nicht zu sagen, kalt. Relativ gesehen, versteht sich.
Letzte Woche sank das Thermometer auf 7 Grad; das gibt Gespraechsstoff fuer Wochen, und man erinnert sich an den Jahrhundertwinter als die absolute Tiefstemperatur bei 4 Grad Celsius lag. Es IST kalt. Relativ gesehen...

In meinem letzten Kapitel habe ich Bowen als das 'Paradies' beschrieben. Und je laenger ich in Ayr, desto ueberzeugter bin ich von meinem Urteil, welches ein menschliches und somit von keinerlei Wert ist, ausser fuer mich persoenlich. Die Hoelle liegt naemlich direkt daneben, 110 Kilometer noerdlich von Bowen und 14 Kilometer nordoestlich von Ayr. Die Hoelle liegt in Alva Beach!

Ich bin der Ueberzeugung, dass die Hoelle fuer jeden Menschen so einzigartig ist wie jeder Mensch an sich. Wie also sieht meine Hoelle aus?

Die Moskitos arbeiten in zwei Schichten. Der Tagarbeiter ist kleiner und gedrungener in seiner Statur, er summt lauter und ist unglaublich penetrant. Gleissendes Sonnenlicht und Temperaturen um 35 Grad im Schatten koennen diese Spezies nicht erschrecken. Die Moskitos der Nachtschicht sind groesser, dafuer aber leiser. Sie pirschen sich nahezu lautlos an, und wenn sich alle versammelt haben, koennten sie muehelos das Zelt mitsamt seinen Insassen umwerfen oder den Reissverschluss oeffnen. Goettin sei Dank unterscheidet der Wille den Menschen vom Mozzi. Allein die Penetranz...

Beide Schichten stechen hart, direkt, schmerzhaft. Man spuert den Stich sofort, und es juckt. Es juckt am naechsten Tag und am darauffolgenden. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem andere Menschen dann wieder zur Tagesordnung uebergehen, Fruehstueck zubereiten , Computer anschalten oder Sex haben. Ich aber kratze weiter. Ich kratze auch den Tag danach noch und den danach. Und ich scheine ein unsichtbares Schild auf Bauch und Ruecken zu tragen, auf welchem steht: <BLUTBANK - JEDES STICH UMSONST>

Um diesem zu entgehen gibt es zwei Moeglichkeiten.

1. Man traegt bei 35 Grad im Schatten lange Aermel, Jeans und Socken in den Sandalen. (HA, NIEMALS! Socken in den Sandalen...YAK!).
2. Man benutzt RID oder ein anderes Insektenschutzmittel und betreibt somit eine systematische Vergiftung der Leber. Also keine wirkliche Alternative.

Nach eineinhalb Wochen waren John und ich reif fuer die Klapsmuehle und zogen in eine kleine suesse Wohnung in Ayr. Mit Moskitonetz vor den Fenstern!
Was also haelt mich in Ayr?
Ich liebe. Ich liebe universell. Nicht mehr und nicht weniger. Spannend! Wie das Leben an sich.
Auch Kleinstaedte scheinen universell zu sein. Der Unterschied: ich muss im Winter nicht frieren. Der Wollpullover bleibt im Schrank, und das Gehirn auch. Zumindest in einer australischen Kleinstadt...

MIT UNENDLICH VIEL LIEBE IM HERZEN FUER EUCH (bei 20 Grad um 12 Uhr nachts)!
*Uta

 

My dear friends,

It's been a while since I let you know what's happening in my life. I've been too busy living.

Since the middle of September I've been in Germany - first - together with John, my precious man and companion. After 1 1/2 years of travelling in Australia I was keen to catch up with my friends and family, and, OH BOY!, great it was!!! Heidelberg, Calw, Cologne, the Eifel, Goettingen and Berlin... at every place there was one of my friends giving John and myself a shelter, a place to be, and to feel at home. THANKS TO YOU ALL!!!!!

Besides meeting my friends and showing John a bit of German culture (down under Ozzi mate meets Rokkoko, Goethe, beer, bread and more beer) I gave away and sold most of my material belongings before I migrate to Australia next year. It was great - getting rid of all the 'stuff' - and surely it was cleansing and cleaning my soul as well, a kind of rebirth. The more 'stuff' one has got, the more responsibility one has too. Now I've got less, which makes travelling and moving in any sort of way a lot easier!

Two weeks ago John and I left Germany and went to Mallorca, a Spanish island in the Mediterranean sea, where we still are. We enjoy ourselves with cooking, hiking, climbing mountains and soaking up every single ray of sunshine we can get (and a lot of other enjoyable things). You know, the weather in Germany at this time of the year is one of the reasons why I want to live in Oz.
Now imagine sitting on the beach, listening to the gurgueling sound of the water below the rocks, and getting mesmerised by the waves.... Got it?
That's me at the very moment.

With a lot of love in my heart for you all!
Love and respect
*Uta*


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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 02. Mai 2010 um 08:15 Uhr